Mann mit Brille und Bart
Mann mit Brille und Bart

Depression — Zu einfach, wie überlebe ich heute

Eine Depres­sion ist sim­pel. Du liegst im Bett, in deinem inneren Motor, deinem Antrieb, ist das Schmieröl fest­ge­laufen. Nichts kann sich bewe­gen. Dein Sys­tem ist fest­ge­fahren.

Dabei ist es egal, ob du dein Sys­tem über­hitzt hast, sodass das Öl seine Struk­tur änderte zu einem zähen Gel. Oder eine Über­forderung dich aushe­belte, das Öl sich über Dich­tun­gen ver­lor, weil akut die Ver­hält­nisse in deinem Sys­tem ver­schoben waren.

Der Antrieb, in den Tag zu starten, scheit­ert. Deine Gedanken ver­wick­eln sich im Scham. Ich schäme mich. Denn wieder zeich­net sich ein Tag ab, an dem ich aber­mals nichts bewege, gestalte, an dem ich es nicht unter die Dusche schaffe.

Das verklebte Schmieröl formt sich über meine Konzen­tra­tion, zer­stört diese, als ich auf das Smart­phone schaue. Eine Nachricht von dir, ich schaffe es nicht, sie zu lesen. Ich schäme mich, da ich dir nicht antworte.

Ich schaffe es nicht und ich kann dir kein Sor­ry for­men. Es gibt kein „Es tut mir leid“. Die Scham ist größer, ich hätte es schaf­fen sollen, kön­nen.

Eine Depres­sion ist kom­pliziert? Dies kann ich nicht beant­worten, will es nicht beant­worten. Die Läh­mung ver­bi­etet mir, mich dem zu stellen.

Die Frage taucht auf, ein Bild färbt sich vom hellen Nebel ins Dun­kle. Die Frage zielt darauf: Darf ich sie stellen: Über­lebe ich heute, wie?

Diese Frage ist falsch. Für mich. Sie ist zu ein­fach, zerkratzt nur die Ober­fläche, wie ich in den Gedanken, Bildern übers Scheit­ern gefan­gen bin. Sie weist darauf hin, dass es einen Mor­gen, eine Besserung gäbe.

Denkste. Es gibt keine Zukun­ft.

Das Wie ist ver­steckt in: Wie bewältige ich es, wenn die Lebens­bedrohlichkeit, die Gedanken, Bilder vom Suizid auf­blitzen?

Ich habe keine Strate­gie. Die Lebens­bedrohlichkeit ziehen lassen, wäre eine Option. Die Lebens­bedrohlichkeit ist nur ein Gedanke, ein Spatz, der dies unen­twegt immer und immer zwitschert. Ein­fach so.

Es ist nur die Frage: Ist dies Gerede, dies Zwitsch­ern, bin ich dies?

Nein. Es sind die Schleifen eines Anlassers, der meinen Motor nicht starten kann. Eines Anlassers, der mir erzählen will, er schaffe es nicht, er sei defekt, sein Leben sei vor­bei.

maxsophie genAi 25. Maerz 20262
Depres­sion — Zu ein­fach, wie über­lebe ich heute 3

Der Anlass­er formt die düsteren Bilder, Gedanken, zer­stört die Hoff­nung, voranzukom­men. Er ist nur ein Teil von meinem Sys­tem. Doch wirft er sich über alles von mir. Er glaubt fest, er sei meine gesamte Exis­tenz, doch ver­ste­ht er nicht, dass es der Motor, das verdick­te Öl ist, was ein Starten in den Tag ver­hin­dert.

In der Depres­sion bin ich gefan­gen, zeit­los. Ein neuer Tag ist wie der davor, ist der wie mor­gen. Das Wie, wie über­lebe ich heute, klam­mert sich an ein­er Vision: Wenn ich diesen Tag bewältige, wird es mor­gen ein besser­er.

Nein. Zeit­los, das Gestern, das Jet­zt, das Mor­gen ist gle­ich, ohne Ende. Wenn ich dieses Leben been­den will – schon wieder jagt sich die Lebens­bedrohlichkeit in meine Bilder, in diesen Text.

Sie will bes­tim­men, wie ich aus diesem Leben komme.

Zeit­los

Durch­lebte Nächte, weil die Angst sich in mich frisst, wenn ich ein­schlafe, wan­dere ich in den Alb­traum. Die schw­eren Gefüh­le in der Wach­heit wer­den in Träu­men poten­ziert, dreifach, bewe­gen die Bilder ins Unaushalt­bare. Eine Last, die ich nicht tra­gen kann. Doch ich breche nicht zusam­men. Die Last, sie legt sich über mich wie eine Decke. Ich kann nicht raus aus dieser Schwere, die sich durch dieses Leben frisst.

Bin ich mor­gens wach, falle ich in den Schlaf aus Erschöp­fung durch die Nacht. Am Tag siegt der Schlaf über alles. Eine halbe Stunde. Eine Stunde wach. Die Müdigkeit siegt wieder und wieder bis in den frühen Abend.

Der Tag, die Nacht wer­den zeit­los.

Wie über­lebe ich heute? Es ist die falsche Frage.

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