drei Bilder, in der Mitte ein Mann, am Rande eines Sees.
drei Bilder, in der Mitte ein Mann, am Rande eines Sees.

Depression, die deine Tränen im Stausee verliert

Nichts da, es geht mir gut. Ich läch­le und doch, der Psy­chodoc gegenüber, er zweifelt. Er will keine Zahlen von eins bis zehn. Zehn wäre das Opti­mum, lei­d­frei von zer­drück­enden Gefühlen, von der Leere, ohne Energie zu sein, frei vom Weinen ohne Trä­nen.

Es ist kein Weinen, wie es ein jed­er lebt, erlebt in Trau­rigkeit, eines, wenn die Lieb­ste oder der Lieb­ste einen ver­lässt, ein Weinen, wenn die Bedürfnisse von der Part­ner­in unge­se­hen bleiben, wieder­holt und wieder­holt, was schmerzt.

Ein Weinen, wenn die Erwartun­gen sich ver­ab­schieden müssen. Erwartun­gen, die sich mit Ent­täuschung umhüllen und erstickt wer­den.

Ein Weinen, das einen reinigt, emo­tionale Klarheit schaf­fen kann und eine lebendi­ge Trauer aufzeigt, eine, es geht weit­er zu einem neuen Wohl­sein. Abschiede, wo sich eine neue Tür öffnet.

Mein Weinen ist ohne Trä­nen, es geht keine Tür auf, es ist ein wach­sender Stau­damm in den Augen, der nur eine dun­kle, leere Trauer mit kaltem, schw­erem Wass­er füllt. Eine kalte Trauer, die mir sagt, ich bin fremd in mir. 

Der Psy­chodoc will keine Zahlen. Er will nicht, dass ich ratio­nal­isiere, dass ich der sozialen Erwün­schtheit folge, also sage, was Ärzte sich wün­schen: Ihre angedachte Ther­a­pie – sie wirkt. 

Antworte ich wirk­lich nach den Erwartun­gen der anderen? Antworte ich für mich? Wirkt das Medika­ment oder lebe ich den Place­bo-Effekt, über­male ich mit meinen Bildern im Kopf meine Depres­sion.

Ich weiß, mein soziales Lächeln ist begren­zt. Ich kann schw­er lügen über meine Emo­tio­nen, über meine Gefüh­le, meine Gefüh­llosigkeit. Ich trage immer einen Schat­ten in mein­er Gestik, in mein­er Mimik, der meine Gefühlswelt ent­tarnt. Zumin­d­est gegenüber den Men­schen, die mir nah sind.

Ein Schat­ten, der auch ent­tarnt, wenn ich nichts füh­le, wenn ich ver­langsamt bin, jede Antwort sich im Gle­ichk­lang ohne Leichtigkeit formt. Meine Antworten, meine Reak­tio­nen sind ges­taut, wer­den zer­drückt, das Gehirn benötigt länger, auf die, meine Welt zu reagieren. 

Bin ich meinen Gefühlen nah? Bin ich nicht. Die Depres­sion ist eine Ent­frem­dung. Ich muss mir fremd sein und ich muss mir fremd wer­den, denn anders halte ich dieses schwere Wass­er, wom­it jede Bewe­gung sich ins Nichts auflöst und mich lähmt, alles Inter­es­sante mein­er Welt in einen Nebel über den Stausee wirft. Die Schön­heit im Sein, Gefüh­le wie Freude, Lust oder Bedürfnisse der Zuge­hörigkeit aus­blendet. Ein Malen nach Zahlen, doch hat sich über das Papi­er, über jedes Feld, ein Schwarz gelegt.

Gedanken, die mein Leben bedro­hen – wie soll ich sie ver­ste­hen, wie soll ich ver­hin­dern, dass sie mein Leben bedro­hen? Ich spalte sie ab, ich ver­suche sie als „Etwas“ zu greifen, begreifen, was ein­fach da ist, ich aber nicht bin.

Was mache ich, wenn sie mir klar machen, sie bilden die Idee mein­er Bedürfnisse ab? Sie sind ich.

Das frisst, raubt meine restliche Energie, so bleibe ich mor­gens im Bett liegen, frierend, gelähmt. Es gibt kein „Was soll’s”, starte doch ein­fach in den Tag. 

Es gibt nur ein Weinen ohne Trä­nen, ohne Kathar­sis, eben keine emo­tionale Ent­las­tung. Die Last bleibt, drückt auf die Brust und wächst mit jedem Ein­druck, ich kann dem nicht ent­fliehen.

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