Mann sitzt in einer Wäscherei.

Depression und die Angst vor dem Aufstieg

„Geht es dir gut? Du lächelst so, als seiest du aus einem Tal entkom­men.“ Fragt sie mich. Ihre Augen sind unruhig, als müssten sie in mir eine Bestä­ti­gung find­en.
Ich kann ihr die Antwort nicht geben. Ohne mein Leid bin ich nackt vor ihr. Dann würde sie mich ein­klei­den: So, wie sie mich sehen will, so, wie ich sein soll. Und ich fürchte, mit meinem Aufricht­en ver­löre ich ihren Halt.

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Mann auf einen Platz

Depression – gebrochen in einer Kuppel aus Stein

Let­ztens kam ein Hauch, ein Lebens­ge­fühl, vor­bei, wie es war vor der Depres­sion. Ein Gefühl, das sich bindet, mit Leichtigkeit und Zuver­sicht.

Let­ztens erwis­chte mich dies und erin­nerte mich an ein Leben mit Zufrieden­heit, gewärmt von der Sonne, den Tag, meine Auf­gaben zu erfüllen.

Ich weiß, diese Erin­nerun­gen sind trügerisch, sie kön­nen nicht datiert wer­den. Unser Gehirn baut Sto­rys, nimmt aus der Erin­nerung her­aus gebroch­ene Ele­mente, die nichts miteinan­der zu schaf­fen hat­ten. Damals.

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Mann steht in urbaner Umgebung.

Depression — wenn die Warteliste dich zerstört

Du hängst wochen­lang fest in der Düster­n­is, dem Nebel, wühlst dich langsam daraus. Dein Psy­chodoc, deine Ärztin, hat dir Chemie wie Esc­i­talo­pram oder Ven­lafax­in ver­schrieben, oder du bist sog­ar bei Ket­a­min gelandet.

Deine lebens­bedrohlichen Gedanken waren nahe dran, der Suizidal­ität ein Bild zu geben, eine Idee, wie es läuft, wie du dich aus diesem Sein ver­ab­schieden willst. Ich hoffe nicht.

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Mann steht unter einem Baum.

Depression und wenn der Schlaf sie ausspielt

Ich atme tief, atme, und Unruhe wirbelt sich durch den Bauch. Sie plant, mich wachzuhal­ten für den Tag. Eine Nacht ohne Schlaf.

Diese Nacht habe ich über­lebt, war eingeschlafen, und zehn Minuten später wirbel­ten sich wieder Gedanken und Bilder durch den Kopf und ein­fach Leere in Wach­heit. Der Schlaf ver­steckt sich im Schein­wer­fer­licht der Straßen­leuchte, kommt und wird und wird gebrochen.

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drei Bilder, in der Mitte ein Mann, am Rande eines Sees.

Depression, die deine Tränen im Stausee verliert

Nichts da, es geht mir gut. Ich läch­le und doch, der Psy­chodoc gegenüber, er zweifelt. Er will keine Zahlen von eins bis zehn. Zehn wäre das Opti­mum, lei­d­frei von zer­drück­enden Gefühlen, von der Leere, ohne Energie zu sein, frei vom Weinen ohne Trä­nen.

Es ist kein Weinen, wie es ein jed­er lebt, erlebt in Trau­rigkeit, eines, wenn die Lieb­ste oder der Lieb­ste einen ver­lässt, ein Weinen, wenn die Bedürfnisse von der Part­ner­in unge­se­hen bleiben, wieder­holt und wieder­holt, was schmerzt.

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Nachdenklicher Mann in einem Café.

Wie die Depression weiter gräbt

Druck, Druck und wieder Druck. Ratschläge, was hil­ft: fünf Tipps, Tools, die gegen eine Depres­sion helfen. Ich kann kaum atmen, drücke das Play auf Pause. Pause auf Youtube, auf Insta­gram.

Licht ab 2500 Lux direkt vors Face oder ein Spazier­gang mor­gens, dann ein­fach expres­sives Schreiben, die Gedanken umdenken, gedankliche Muster brechen und wieder tief dur­chat­men. Sozial aktiv sein, einen geregel­ten Tages­rhyth­mus.

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Frau sitzt traurig auf Treppe.

Charlott, Dienstag — 9. Juni

Ich liege wach, die Decke riecht noch nach Desin­fek­tion und abge­s­tanden­em Tee. Durch die Lamelle fällt ein schar­fes Band Neon­licht, das den Staub in der Luft wie kleine Knochen glitzern lässt. Mein Herz macht kleine, panis­che Geräusche, als hätte es sel­ber einen mech­a­nis­chen Schrittmach­er nötig. Die Frage fällt in mich wie kaltes Wass­er: Hätte ich von mir aus die Ehe erfun­den? Die Worte schmeck­en met­allisch, als hätte ich sie an einem Instru­ment abgeschlif­f­en.

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Traurige, erschöpfte Person in einem Raum.

Charlott — Sonntag, der 7. Juni

Der Mor­gen bricht durch die ble­ichen Vorhänge, ohne dass die Sonne ihr Licht wirk­lich durch­drin­gen lässt. Ich liege noch einen Moment still im Bett, lausche dem dumpfen Rauschen der Lüf­tungsan­lage im Bad und spüre, wie die Müdigkeit meine Glieder fest umk­lam­mert. Der Kör­p­er weigert sich, aufzuste­hen; jede Bewe­gung kostet ein kleines Stück Kraft, das ich kaum noch habe.

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Traurige, erschöpfte Person in einem Raum.

Charlott — Samstag, der 6. Juni

Die Tür zur Reha‑Station schließt sich hin­ter mir mit einem dumpfen Geklack. Es bricht mich in die Gedanken an Fritz: Ein Schlag‑Herz‑Monitor gibt den Takt für Fritz’ Mono‑Atmung an – ein Met­al­lk­lang, der mir das Bild von ein­er kleinen, leblosen Mas­chine in den Kopf drückt. In diesem Moment bre­it­et sich Angst wie kaltes Wass­er über meine Brust aus.

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Charlott auf lesend im Zimmer

Charlott — Freitag, 5. Juni

In der Nacht ver­wüstete ich das Bet­t­la­gen und der Mor­gen tränkt sich in einen hal­ben Traum. Er begin­nt mit dem laut­en Piepen der Alar­m­glocke, dem rhyth­mis­chen Klick­en des Beat­mungs­gerätes, das Fritzes kleine Brust hebt und senkt. Die Laut­stärke drückt mir die Trä­nen in die Augen, in mir brodelt eine Wut, die sich nicht mehr nur auf die Pflege­pro­tokolle des Pflege­di­en­stes aus­bre­it­et, die starr wie ein Zah­n­rad ren­nen.

Ich sehe die Pflegekraft S., die erneut die Infu­sio­nen prüft, und plöt­zlich fühlt sich ihr Lächeln wie ein falsches Manöver an.  Warum dür­fen sie mir vorschreiben, wie ich meine Sohn‑und‑Mutter‑Pflicht zu erfüllen habe? Die Wut ist das Schmier­mit­tel, das das lange Getriebe mein­er Psy­che am Laufen hält – sie treibt mich an, ver­nichtet die Leere, um nicht stil­lzuste­hen, son­dern meine Hände wieder in die Tat zu leg­en.

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