Depression — Zu einfach, wie überlebe ich heute
Eine Depression ist simpel. Du liegst im Bett, in deinem inneren Motor, deinem Antrieb, ist das Schmieröl festgelaufen. Nichts kann sich bewegen. Dein System ist festgefahren.
Dabei ist es egal, ob du dein System überhitzt hast, sodass das Öl seine Struktur änderte zu einem zähen Gel. Oder eine Überforderung dich aushebelte, das Öl sich über Dichtungen verlor, weil akut die Verhältnisse in deinem System verschoben waren.
Der Antrieb, in den Tag zu starten, scheitert. Deine Gedanken verwickeln sich im Scham. Ich schäme mich. Denn wieder zeichnet sich ein Tag ab, an dem ich abermals nichts bewege, gestalte, an dem ich es nicht unter die Dusche schaffe.
Das verklebte Schmieröl formt sich über meine Konzentration, zerstört diese, als ich auf das Smartphone schaue. Eine Nachricht von dir, ich schaffe es nicht, sie zu lesen. Ich schäme mich, da ich dir nicht antworte.
Ich schaffe es nicht und ich kann dir kein Sorry formen. Es gibt kein „Es tut mir leid“. Die Scham ist größer, ich hätte es schaffen sollen, können.
Eine Depression ist kompliziert? Dies kann ich nicht beantworten, will es nicht beantworten. Die Lähmung verbietet mir, mich dem zu stellen.
Die Frage taucht auf, ein Bild färbt sich vom hellen Nebel ins Dunkle. Die Frage zielt darauf: Darf ich sie stellen: Überlebe ich heute, wie?
Diese Frage ist falsch. Für mich. Sie ist zu einfach, zerkratzt nur die Oberfläche, wie ich in den Gedanken, Bildern übers Scheitern gefangen bin. Sie weist darauf hin, dass es einen Morgen, eine Besserung gäbe.
Denkste. Es gibt keine Zukunft.
Das Wie ist versteckt in: Wie bewältige ich es, wenn die Lebensbedrohlichkeit, die Gedanken, Bilder vom Suizid aufblitzen?
Ich habe keine Strategie. Die Lebensbedrohlichkeit ziehen lassen, wäre eine Option. Die Lebensbedrohlichkeit ist nur ein Gedanke, ein Spatz, der dies unentwegt immer und immer zwitschert. Einfach so.
Es ist nur die Frage: Ist dies Gerede, dies Zwitschern, bin ich dies?
Nein. Es sind die Schleifen eines Anlassers, der meinen Motor nicht starten kann. Eines Anlassers, der mir erzählen will, er schaffe es nicht, er sei defekt, sein Leben sei vorbei.

Der Anlasser formt die düsteren Bilder, Gedanken, zerstört die Hoffnung, voranzukommen. Er ist nur ein Teil von meinem System. Doch wirft er sich über alles von mir. Er glaubt fest, er sei meine gesamte Existenz, doch versteht er nicht, dass es der Motor, das verdickte Öl ist, was ein Starten in den Tag verhindert.
In der Depression bin ich gefangen, zeitlos. Ein neuer Tag ist wie der davor, ist der wie morgen. Das Wie, wie überlebe ich heute, klammert sich an einer Vision: Wenn ich diesen Tag bewältige, wird es morgen ein besserer.
Nein. Zeitlos, das Gestern, das Jetzt, das Morgen ist gleich, ohne Ende. Wenn ich dieses Leben beenden will – schon wieder jagt sich die Lebensbedrohlichkeit in meine Bilder, in diesen Text.
Sie will bestimmen, wie ich aus diesem Leben komme.
Zeitlos
Durchlebte Nächte, weil die Angst sich in mich frisst, wenn ich einschlafe, wandere ich in den Albtraum. Die schweren Gefühle in der Wachheit werden in Träumen potenziert, dreifach, bewegen die Bilder ins Unaushaltbare. Eine Last, die ich nicht tragen kann. Doch ich breche nicht zusammen. Die Last, sie legt sich über mich wie eine Decke. Ich kann nicht raus aus dieser Schwere, die sich durch dieses Leben frisst.
Bin ich morgens wach, falle ich in den Schlaf aus Erschöpfung durch die Nacht. Am Tag siegt der Schlaf über alles. Eine halbe Stunde. Eine Stunde wach. Die Müdigkeit siegt wieder und wieder bis in den frühen Abend.
Der Tag, die Nacht werden zeitlos.
Wie überlebe ich heute? Es ist die falsche Frage.
