Depression – gebrochen in einer Kuppel aus Stein
Letztens kam ein Hauch, ein Lebensgefühl, vorbei, wie es war vor der Depression. Ein Gefühl, das sich bindet, mit Leichtigkeit und Zuversicht.
Letztens erwischte mich dies und erinnerte mich an ein Leben mit Zufriedenheit, gewärmt von der Sonne, den Tag, meine Aufgaben zu erfüllen.
Ich weiß, diese Erinnerungen sind trügerisch, sie können nicht datiert werden. Unser Gehirn baut Storys, nimmt aus der Erinnerung heraus gebrochene Elemente, die nichts miteinander zu schaffen hatten. Damals.
Das Gehirn verwebt unsere Vergangenheit zu logischen Geschichten. Dabei webt es mit einem Webblatt und Schiffchen, wie wir im Moment die Welt sehen, sehen wollen und dürfen.
Der Faden der Story ist der Spiegel unseres Wohlseins, wie wir die Welt, uns selbst, erleben.
Doch es ist ein Moment, der mich mit Hoffnung färbt. Ich, meine Psyche, das, was mein Ich meint, gewinnen an Breite. Es ist nicht mehr allein die drückende Traurigkeit, abgestumpfte Gefühle, die mein Leben färbt. Ein Moment, der mir zeigt, malt: Es gibt Zufriedenheit, es gibt Freude.
Erleben lässt es sich nicht. Alles versteckt sich unter einer abgebrannten Blumenwiese. Ich muss diese Wiese umgraben, damit aus den Samen meines, eines anderen Lebens eine Blume zu wachsen beginnt.
Blumen sich über die verdorrte Wiese erheben.
Es war ein Moment, schnell flogen die Sonnenstrahlen weg, die diese Wiese beschienen. Nebel und Dunkelheit legten sich wieder über mich, über meine Lebenswiese.
Doch die Dunkelheit konnte mir nicht die Ahnung nehmen, es gibt ein Leben mit Wohlsein, Freude, Zufriedenheit.
Ja, es gibt es.
Ein Wohlsein, das bedingungslos da ist. Einfach so wie die Luft zum atmen.
Ein zufriedenes Wohlsein, das sich nach Ärger, nach Angst, nach Anspannung einfach wieder einstellt. Einfach so.
Dieser Hauch von Zufriedenheit malte mir aus, wie ich in einem Wahn gefangen war.
Ein Wahn, der aus einer Kuppel aus Stein über mir gestülpt war. Mein Erleben kannte nur die drückende, schwere Traurigkeit, Leere, das Freisein von Hoffnung.

Ich wusste nicht mehr, wie Freude sich zeigt, wie sie aussieht, wie sie erlebbar ist. Was ist Freude? Es war ein abstraktes Ding, was in Büchern steht, wie das Wissen von fernen Orten, die ich nicht bereist hatte.
Ich wusste nicht mehr, welche Bilder Zufriedenheit zaubern. Wie es ist, einfach zu leben. Einfach zu leben, ohne dass ich in eine Dunkelheit gefallen bin.
Die Depression drückt alles weg, radiert die lebenswerten Momente, Gefühle weg, unerreichbar. So weit weg, als hätte ich sie nie erfahren, nie gekannt.
Sie, die Depression, ist dabei nicht nur eine bleierne, schwere Kuppel, sie ist ein ganzer Raumanzug um mich, der meine Atmung vermindert, mich einengt, zusammendrückt und dann meine Angst füttert.
Ich bin gescheitert, das Leben, meines, es ist nicht aushaltbar. Ich stehe an einem Berg aus schwarzer Kohle, aus Asche meines Seins. Ich weiß, ich muss über diesen Berg, doch mit jedem Schritt rutsche ich ab, rutsche noch tiefer in die Dunkelheit. Der schwarze Staub vertrocknet alle meine Tränen, legt sich über die Atmung. Ich atme schwer, sollte husten, doch es gelingt mir nicht. Ich atme schweren Staub ein, und aus, und mein Brustkorb wird dabei schwerer, schwerer.
Es gibt nichts anderes. Nichts. Der schwarze Staub füllt mein gesamtes Sein. Eine Trauer, eine Traurigkeit, die keine Entlastung kennt. Tränen vertrocknen sofort in den schweren Augen, die mein Sehen verdunkeln.
Doch jetzt, eine Ahnung baut mir ein Bild, wie es wäre ohne den schwarzen Staub.
