Mann auf einen Platz

Depression – gebrochen in einer Kuppel aus Stein

Let­ztens kam ein Hauch, ein Lebens­ge­fühl, vor­bei, wie es war vor der Depres­sion. Ein Gefühl, das sich bindet, mit Leichtigkeit und Zuver­sicht.

Let­ztens erwis­chte mich dies und erin­nerte mich an ein Leben mit Zufrieden­heit, gewärmt von der Sonne, den Tag, meine Auf­gaben zu erfüllen.

Ich weiß, diese Erin­nerun­gen sind trügerisch, sie kön­nen nicht datiert wer­den. Unser Gehirn baut Sto­rys, nimmt aus der Erin­nerung her­aus gebroch­ene Ele­mente, die nichts miteinan­der zu schaf­fen hat­ten. Damals.

Das Gehirn ver­webt unsere Ver­gan­gen­heit zu logis­chen Geschicht­en. Dabei webt es mit einem Web­blatt und Schif­fchen, wie wir im Moment die Welt sehen, sehen wollen und dür­fen.

Der Faden der Sto­ry ist der Spiegel unseres Wohl­seins, wie wir die Welt, uns selb­st, erleben.

Doch es ist ein Moment, der mich mit Hoff­nung färbt. Ich, meine Psy­che, das, was mein Ich meint, gewin­nen an Bre­ite. Es ist nicht mehr allein die drück­ende Trau­rigkeit, abges­tumpfte Gefüh­le, die mein Leben färbt. Ein Moment, der mir zeigt, malt: Es gibt Zufrieden­heit, es gibt Freude.

Erleben lässt es sich nicht. Alles ver­steckt sich unter ein­er abge­bran­nten Blu­men­wiese. Ich muss diese Wiese umgraben, damit aus den Samen meines, eines anderen Lebens eine Blume zu wach­sen begin­nt.

Blu­men sich über die ver­dor­rte Wiese erheben.

Es war ein Moment, schnell flo­gen die Son­nen­strahlen weg, die diese Wiese beschienen. Nebel und Dunkel­heit legten sich wieder über mich, über meine Lebenswiese.

Doch die Dunkel­heit kon­nte mir nicht die Ahnung nehmen, es gibt ein Leben mit Wohl­sein, Freude, Zufrieden­heit.

Ja, es gibt es.

Ein Wohl­sein, das bedin­gungs­los da ist. Ein­fach so wie die Luft zum atmen.

Ein zufriedenes Wohl­sein, das sich nach Ärg­er, nach Angst, nach Anspan­nung ein­fach wieder ein­stellt. Ein­fach so.

Dieser Hauch von Zufrieden­heit malte mir aus, wie ich in einem Wahn gefan­gen war.

Ein Wahn, der aus ein­er Kup­pel aus Stein über mir gestülpt war. Mein Erleben kan­nte nur die drück­ende, schwere Trau­rigkeit, Leere, das Frei­sein von Hoff­nung.

maxsophie genAi 03. Apr. 20261 2
Depres­sion – gebrochen in ein­er Kup­pel aus Stein 3

Ich wusste nicht mehr, wie Freude sich zeigt, wie sie aussieht, wie sie erleb­bar ist. Was ist Freude? Es war ein abstrak­tes Ding, was in Büch­ern ste­ht, wie das Wis­sen von fer­nen Orten, die ich nicht bereist hat­te.

Ich wusste nicht mehr, welche Bilder Zufrieden­heit zaubern. Wie es ist, ein­fach zu leben. Ein­fach zu leben, ohne dass ich in eine Dunkel­heit gefall­en bin.

Die Depres­sion drückt alles weg, radiert die lebenswerten Momente, Gefüh­le weg, unerr­e­ich­bar. So weit weg, als hätte ich sie nie erfahren, nie gekan­nt.

Sie, die Depres­sion, ist dabei nicht nur eine bleierne, schwere Kup­pel, sie ist ein ganz­er Rau­manzug um mich, der meine Atmung ver­min­dert, mich einengt, zusam­men­drückt und dann meine Angst füt­tert.

Ich bin gescheit­ert, das Leben, meines, es ist nicht aushalt­bar. Ich ste­he an einem Berg aus schwarz­er Kohle, aus Asche meines Seins. Ich weiß, ich muss über diesen Berg, doch mit jedem Schritt rutsche ich ab, rutsche noch tiefer in die Dunkel­heit. Der schwarze Staub vertrock­net alle meine Trä­nen, legt sich über die Atmung. Ich atme schw­er, sollte hus­ten, doch es gelingt mir nicht. Ich atme schw­eren Staub ein, und aus, und mein Brustko­rb wird dabei schw­er­er, schw­er­er.

Es gibt nichts anderes. Nichts. Der schwarze Staub füllt mein gesamtes Sein. Eine Trauer, eine Trau­rigkeit, die keine Ent­las­tung ken­nt. Trä­nen vertrock­nen sofort in den schw­eren Augen, die mein Sehen ver­dunkeln.

Doch jet­zt, eine Ahnung baut mir ein Bild, wie es wäre ohne den schwarzen Staub.

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