Frau hält ein Kind und Buch.

Charlott — Donnerstag, 5. Juni

Heute ist ein­er dieser Tage, an denen das Geräusch der alarm­sicheren Tür­glocke im Flur mehr wie ein Tak­t­stock wirkt, der meine innere Sym­phonie dirigiert – eine Sym­phonie aus Wut, Verzwei­flung und ein­er flüchti­gen, fast schmerzhaften Hoff­nung. Der Pflege­di­enst. Die Ärzte. Sie schla­gen mir die Ther­a­piepläne ins Gesicht, als kön­nten sie damit das Unauswe­ich­liche kor­rigieren. Ich sehe, wie die Pflegekraft S. die Tropf‑Infusionen prüft, während ich im Kopf das Bild von Fritz sehe, wie er in seinem Bug­gy liegt, die Augen halb geschlossen, der kleine Kör­p­er von einem Beat­mungs­gerät erstickt. Der Gedanke, dass ich ihn hier nicht berühre, lässt meine Hände zit­tern – nicht aus Angst, son­dern aus ein­er sen­gen­den Wut, die mich bis in die Knochen treibt. 

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a silhouette of a woman in a dark room

Charlott — Mittwoch, 4. Juni

Heute Mor­gen bin ich kaum aus dem Bett gekom­men. Ich lag wie fest­ge­tack­ert, mit diesem grauen Gewicht in der Brust, das mich langsam auf­frisst. Es ist nicht nur Müdigkeit. Es ist diese tiefe, hohle Erschöp­fung, die mir sagt, dass es völ­lig egal ist, ob ich auf­ste­he oder nicht. Aber Fritz braucht mich. Er röchelt schon, wenn ich noch nicht mal meinen ersten Kaf­fee hat­te, und dann fängt der Tag an wie ein Sturz in eiskaltes Wass­er. Ich funk­tion­iere. Ich bin nur noch Funk­tion.

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a woman sitting on a bed

Charlott 2te(a)

Heute ist ein­er dieser Tage, an dem alles wie eine schwere Decke auf mir lastet. Der Mor­gen begann wie immer – das monot­o­ne Sum­men des Weck­ers, und Fritz’ Windel war wieder aus­ge­laufen. Jam­mern? Ver­giss es.

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