Mann steht in urbaner Umgebung.

Depression — wenn die Warteliste dich zerstört

Du hängst wochen­lang fest in der Düster­n­is, dem Nebel, wühlst dich langsam daraus. Dein Psy­chodoc, deine Ärztin, hat dir Chemie wie Esc­i­talo­pram oder Ven­lafax­in ver­schrieben, oder du bist sog­ar bei Ket­a­min gelandet.

Deine lebens­bedrohlichen Gedanken waren nahe dran, der Suizidal­ität ein Bild zu geben, eine Idee, wie es läuft, wie du dich aus diesem Sein ver­ab­schieden willst. Ich hoffe nicht.

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Mann steht unter einem Baum.

Depression und wenn der Schlaf sie ausspielt

Ich atme tief, atme, und Unruhe wirbelt sich durch den Bauch. Sie plant, mich wachzuhal­ten für den Tag. Eine Nacht ohne Schlaf.

Diese Nacht habe ich über­lebt, war eingeschlafen, und zehn Minuten später wirbel­ten sich wieder Gedanken und Bilder durch den Kopf und ein­fach Leere in Wach­heit. Der Schlaf ver­steckt sich im Schein­wer­fer­licht der Straßen­leuchte, kommt und wird und wird gebrochen.

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Mann steht am Fenster bei Sonnenuntergang.

Depression zerstört deine Erschöpfung

Wir müssen wegkom­men von dieser Idee, die Depres­sion sei eine Geschichte der Erschöp­fung, das Ner­ven­sys­tem liege brach nach ein­er Über­las­tung, du hättest dir zu viel zuge­mutet. 

Ver­giss dies schnell, ins­beson­dere wenn deine Depres­sion mit­tel­gr­a­dig oder schw­er ist. Denke daran: Depres­sion ist eine Diag­nose, häu­fig auch eine Zweit­di­ag­nose als „Zusatz“ ein­er Haupt­di­ag­nose, denn sie ist ein Sam­mel­beck­en von mehreren Symp­tomen. Mehr nicht. Zählt ein Doc diese zusam­men, dann fol­gt als Summe: Depres­sion, leicht, mit­tel­gr­a­dig oder schw­er. Oder eben nichts.

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Nachdenklicher Mann in warmem Licht.

Die Depression und wie ich falle in die Tiefe?

Die Depres­sion ist eine eigene Sto­ry, die nur mir gehört. Klar, du kannst dir gerne „was abschauen“, vielle­icht um dieses Phänomen bess­er zu ver­ste­hen, zu umreißen, sie auf eine Land­karte zu zeich­nen.

Sie, die Depres­sion, ist kein star­res Kon­strukt, dies musst du wis­sen. Sie ist lebendig auf ihre Art, ihrer Dunkel­heit. Sie beschw­ert die Erschöp­fung mit Blei, dass du nicht mehr hochkommst. Sie lebt, wenn du nicht wagst, es nicht schaffst, aufzuste­hen. Du kannst nicht auf­ste­hen, denn das Blei drückt sich auf dir, vielle­icht mit Trä­nen, vielle­icht mit Gereiztheit.

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MasSophie geht am Wasser entlang. @KI

Depression, nicht lösbar allein mit umgestellter Denkweise

Bist du ver­schreckt, weil ich hier über Depres­sion schreibe, nicht klas­sisch, ohne Lösungsweg? Vielle­icht nähere ich mich dabei der Ursache, mein­er. Der Text kommt ein­fach aus dem Nichts und ich möchte dir nichts erzählen, was wie ein Ratschlag oder wie Tipps wirkt. 

Ratschläge erschla­gen einen ras­ant, wirken frei von Empathie, sind häu­fig ein Stilmit­tel, dein Erleben auf eine nachvol­lziehbare Logik zu verkürzen, und geben dir die Schuld, wenn es nicht klappt und du weit­er­hin scheit­erst. 

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Mann arbeitet am Laptop, Schatteneffekt.

Depression – den fehlenden Antrieb nutzen

Wenn ich nicht mehr schreibe, nicht mehr schreiben kann, dann siegt die Depres­sion über mich. What the fuck, ich rede über die Depres­sion, als sei sie ein Fremd­kör­p­er.

Ich dachte, so hörte ich einen Coach-Guru, die Depres­sion sei mit mir und man kön­nte den fehlen­den Antrieb nutzen. Den fehlen­den Antrieb nutzen, so war let­ztens ein Titel auf Youtube, doch ich ließ das Video unge­spielt. So kann nur ein­er reden, der noch nie in dieser Gren­z­er­fahrung war, der noch nie gefan­gen war in einem Absturz, ein­er Trauer ohne Trau­rigkeit, in ein­er Tiefe, die einen zer­drückt.

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Nachdenklicher Mann in einem Café.

Wie die Depression weiter gräbt

Druck, Druck und wieder Druck. Ratschläge, was hil­ft: fünf Tipps, Tools, die gegen eine Depres­sion helfen. Ich kann kaum atmen, drücke das Play auf Pause. Pause auf Youtube, auf Insta­gram.

Licht ab 2500 Lux direkt vors Face oder ein Spazier­gang mor­gens, dann ein­fach expres­sives Schreiben, die Gedanken umdenken, gedankliche Muster brechen und wieder tief dur­chat­men. Sozial aktiv sein, einen geregel­ten Tages­rhyth­mus.

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Traurige, erschöpfte Person in einem Raum.

Charlott — Sonntag, der 7. Juni

Der Mor­gen bricht durch die ble­ichen Vorhänge, ohne dass die Sonne ihr Licht wirk­lich durch­drin­gen lässt. Ich liege noch einen Moment still im Bett, lausche dem dumpfen Rauschen der Lüf­tungsan­lage im Bad und spüre, wie die Müdigkeit meine Glieder fest umk­lam­mert. Der Kör­p­er weigert sich, aufzuste­hen; jede Bewe­gung kostet ein kleines Stück Kraft, das ich kaum noch habe.

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Verlassener Raum mit melancholischer Stimmung.

Die Depression, die Wand und Antrieb

Der Antrieb, seine Abwe­sen­heit, ist der Tage der Stören­fried, der meinen Tages­mut frisst, meine Angst auflack­ern lässt. Ärg­er und Wut ver­puffen gegen ihn, als würde ich, mein Zauber­er, eine Druck­welle gegen eine Wand jagen. Die Wand ste­ht. Die Tür, die der Zauber­er in der Wand gesucht hat. Sie gibt es nicht.

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