Mann in einer Stadt mit wärmender Sonne
Mann in einer Stadt mit wärmender Sonne

Depression schützt leise vor der Wucht

Wenn die Depres­sion, wie heute, mich trägt, mich wieder ein­klei­det in einen Man­tel, einen Wahn. Ich weiß, Anti­de­pres­si­va arbeit­en auch gut gegen Zwangsstörun­gen. Warum? Eine, mein Ver­ste­hen, Laienidee: Die Gedanken­welt, die Gefühlswelt steckt nicht „ein­fach“ fest, wühlt sich nicht „ein­fach“ tiefer mit „neuen“ Gedanken, Emo­tio­nen, oder arbeit­et sich in das „Gut“. Son­dern sie wieder­holt end­los die Trau­rigkeit, eine Schwere im Bauch, die meine Gefüh­le zusam­men­drückt zu Blei, dessen Schwere sich in den Gliedern ver­ankert. 

Die Depres­sion­swelt, die Gedanken- und Bilder­wut, wieder­holt und wieder­holt sich. Eine Trau­rigkeit, Trauer, die mich lähmt, aufzuste­hen. Eine, die meinen Antrieb frisst.

Da bricht zart, wenn es klappt, das Anti­de­pres­sivum diese Wieder­hol­ung, lässt neue Assozi­a­tio­nen zu.  

Es ist ein Zwang, vielle­icht mein­er allein, in der Trau­rigkeit, in der Trauer gefan­gen bleiben zu wollen. Es gibt kein Raus. Ich füh­le, suche sie wieder und wieder, diese Trau­rigkeit, dies trä­nen­lose, weinende, bek­lem­mende Gefühl. Mein Wille hier ist er, der Zwang. Er trägt die Idee, ich darf sie nicht ver­lieren, als schütze er mich vor ein­er Wucht an Emo­tio­nen, die ich nicht bewälti­gen, über­leben kann. 

Die Gedanken, diese kann ich killen, abschal­ten, stop­pen. Ein Bruch, der heute wieder gelingt. Doch die Gefüh­le, die Stim­mung, sie bleibt. Sie ist end­los. 

Doch, da bleibt es phänom­e­nal, der Gedanken­stopp — es klappt nicht, wie im auto­ge­nen Train­ing oder Acht­samkeit gel­ernt, die Gedanken wegfliegen zu lassen mit den Wolken. 

Ein Break, ein Bruch braucht es – so ist es bei mir und ohne Garantie, diese Ruhe ist mal länger, mal kürz­er.

Zu den bleiern­den Gefühlen Stopp zu sagen, das fordert mich, über­fordert mich. Okay, ich kön­nte Alko­hol kon­sum­ieren, Dro­gen nehmen oder in den Wald spazieren gehen. Med­i­ta­tion oder auto­genes Train­ing wären eine Option. 

Alko­hol und Dro­gen schei­den aus. Alko­hol kann selb­st Depres­sio­nen „erzeu­gen“ oder sie ver­schlechtern, und Dro­gen, da kommt es darauf an, welche Sub­stanz. 

Doch gilt bei klas­sis­chen Rauschdro­gen generell, nach aktuellem Stand: Es ist ein Bumerang. Du wirf­st ihn mit dein­er Ein­nahme, er fliegt seine Kurve, in der du eine leichte Ent­las­tung oder Euphorie erleb­st, ein syn­thetis­ches Wohl­sein, eine Leichtigkeit oder ein­fach Ruhe. Doch der Bumerang kommt zurück, ver­let­zt dein Wohl­sein, die angestrebte Ruhe wird zur Last, die dich auf den Boden wirft, kom­plett.

Nehme ich die Droge oder, sagen wir, ein Medika­ment aus dem Kreis  der Ben­zo­di­azepine wie Tavor oder Diazepam, bringt es Ruhe. Doch greifen sie so in den Gehirn­stof­fwech­sel ein, dass zur Depres­sion noch die Sucht kom­men kann. Es wird kom­pliziert­er, mal verkürzt gesagt.

Doch kön­nen Ben­zos ther­a­peutisch, rezep­tiert von ein­er Fachärzt:in, hil­fre­ich sein, in Krisen eine kurze Ruhe zu find­en.

Med­i­ta­tion, Bewe­gung oder auto­genes Train­ing – lass uns ein ander­mal darüber reden.

Es geht ums Heute und heute scheit­ere ich an dieser end­losen Trau­rigkeit, die sich nicht ver­ankert hat in meinem Selb­st. 

Sie ist anders. An ihr ist ein Wider­hak­en befes­tigt, der sich im Bauch fest­ge­hängt hat. Wenn ich diese Trau­rigkeit über­winden, mich davon ver­ab­schieden will, schmerzt sie mehr und tiefer. Der Hak­en arbeit­et sich blutig in den Bauch, tiefer und tiefer hinein. Äußer­lich wird mir kalt, alles Blut zen­tral­isiert sich in mir, auch inner­lich wird es kalt. 

Trau­rigkeit, Trauer, wenn sie doch min­destens warm, so warm wäre, dass ich mich aufs Bett leg­en kann und die Welt, deren Wahn, an mir vor­bei­gleit­en lassen kann. Ein­fach so. Ein Wun­sch, den ich nicht zu denken wage. 

Erwartun­gen sind auch so ein Ding mit kom­pliziert.

Ich liege auf dem Bett, liege auf dem Boden. Eine Decke über mir, die mich frieren lässt. Nur Schlaf, Schlaf kann diese Trau­rigkeit been­den, doch trägt er keine Hoff­nung, kein Reset ins Wohl­sein.

Hoff­nung wäre ein Aufwachen, motiviert, frei von schw­eren Emo­tio­nen in den Tag zu starten. Vielle­icht mit neu­tralen Gefühlen, wenn es solche gibt. Keine Euphorie, keine Freude, dies wage ich nicht zu wün­schen, denn es stellt sich wieder und wieder als unwirk­lich dar.

Ich mache die Augen zu, höre von Nine Inch Nails „Some­what Demaged“ — „The Day the World Went Away“ — „The Wretched“, danach von Hae­los die Musikvideos „Pray“ — „Earth Not Above“ — „Dust“. 

 Bevor ich diesen Ein­trag schließe – ein Song, fea­tured von Kiki Hit­o­mi: „Catch a Fire“ von The Bug. 

Oder nehme ich den angenehmen Ausklang (wirk­lich) „Herz­funke (Stephan Zovsky Remix)“ von Solee.

— Max­So­phie

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