Mann im Waschsalon
Mann im Waschsalon

Der Alkohol belügt mich: Depression

Der Her­rentag heute (Christi Him­melfahrt), düster, grau, und mal bricht die Sonne durch. Die Wahrnehmung ist bei vie­len in einem Nebel, der Alko­hol spin­nt einen Schleier um alle Far­ben, alle Geräusche, und soll erheit­ern.

Doch Alko­hol und Depres­sion, bei mir, sorgt er für tief­ere Krisen. Es ist eine böse Droge, kurz und knapp, für manche ein täglich­er Brud­er. Andere wollen mit diesem Brud­er die Depres­sion ertränken, nicht fühlbar, nicht erleb­bar for­men.

Ich kann dir nicht sagen, ob es klappt.

Ja, Alko­hol ist kein Fre­und, der die Trau­rigkeit vertreibt – er ist ein stiller Kom­plize für sie. Dieser Brud­er öffnet nicht die Tür zur Gene­sung, son­dern schließt sie leis­er, als ich es bemerken würde. Am Mor­gen nach der Ses­sion erkenne ich: Ich bin nicht befre­it, son­dern noch tiefer einges­per­rt.

Ob ich mal fröh­lich­er bin mit einem Glas Wein, mögen die anderen beurteilen. Doch mehr als eins, dann frisst sich diese Droge in den Schlaf, macht Unruhe. Ich bin halb wach, halb im nebli­gen Dösen. Alles fühlt sich schw­er an, doch der Schlaf, der ver­steckt sich hin­ter ein­er Mauer.

Manch­mal kommt der Schlaf zurück, wirft sich um mich und ich döse für einige Zeit weg.

Aufge­s­tanden, die Unruhe der Nacht lebt weit­er. Ich bin wach und doch langsam, müde. Die Stim­mung beze­ich­net sich gereizt. Sprich mich nicht an.

Die Konzen­tra­tion, zehn Minuten, ganz okay. Danach bricht sie ein. Tschau, lieber Bub. Der Tag, ver­stecke ihn in deinem Tage­buch , ver­brenne diese Seite, lösche die File.

Die Tage darauf bricht dann die Trau­rigkeit durch, diese, die schw­er ist, nicht aushalt­bar, in der ich wie in einem tiefen Tal gefan­gen werde.

Anime - Frau in Bibliothek
Der Alko­hol belügt mich: Depres­sion 3

Ich hat­te gehofft, die Tage zuvor, die Depres­sion ver­ab­schiedete sich, hat sich in eine Melan­cholie ver­wan­delt. Mal kommt sie vor­bei, wie ein Vogel, zu einem Zwitsch­ern, einem Gespräch. Ja, es ist okay.

Der Vogel fliegt wieder weg, trägt die schwere Trau­rigkeit weg. Die Melan­cholie haftet leichter, mach­bar. Ein Lächeln ist möglich.

Ich erlebe Dankbarkeit. Der Tag span­nt sich auf mit dem Grün der Wiese, der Bäume. Ein junges Grün, das sich bis­lang nicht durch eine bren­nende Sonne schützen muss.

Ich läch­le, ich darf lächeln. Kein soziales Lächeln, eines, das sich sog­ar bei Suizidal­ität, bei lebens­bedrohlichen Gedanken auf­s­pan­nt. Nie­mand, nie­mand darf jet­zt wis­sen, wie es dir erge­ht.

Doch ist dies eine Täuschung. Die Depres­sion ist dann wie ein Wahn, hat die Lebenswirk­lichkeit ver­rückt. Men­schen, die dir nah sind, erleben dich hal­ble­b­los, langsam, dem Leben fern.

Dein Lächeln kann kaschieren, kann erzählen. Ja, es ist schw­er, doch ich schaffe es. Ich bewältige meine Auf­gaben, ich funk­tion­iere.

Es soll es erzählen.

Doch dieses Lächeln belastet mich, denn es ist kein Schutz. Es soll andere von mir weghal­ten, ger­ade dann, wenn ich ihre Wärme brauche. Mein Funk­tion­ieren ist dann die per­fek­te Falle: Nie­mand sieht, dass ich im Innern zer­falle.

Und je bess­er ich die Falle baue, desto ein­samer werde ich.

Trinke ich dann Alko­hol, dann betäubt es die Schwere in mir. Ob es leichter wird? Nein. Diese Gedanken zeich­nen weit­er­hin die Auswe­glosigkeit, diese Schwere, diesen schwarzen Nebel.

Der Tag darauf wird umso schw­er­er. Der Weg zur Dusche ist mach­bar, aber mehr. Ich lege mich wieder hin.

Der Alko­hol macht nichts bess­er. Er, der Brud­er, macht seine Lüge sicht­bar, die er zu mir trägt. Er löst, erle­ichtert die Depres­sion nicht, son­dern beschw­ert sie let­ztlich.

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *