Mann geht durch regnerische Straße.
Mann geht durch regnerische Straße.

Depression und ist Therapie Seelenverwandtschaft?

Es gibt Leute, Coach­es, die dir ver­sprechen: Hey, du kannst die Depres­sion über­winden. Schau meine Videos, lies mein kosten­los­es E‑Book und kaufe let­ztlich meine Tipps, die ganz per­sön­lich auf dich zugeschnit­ten sind.

Es gibt Men­schen, die meinen, sie hät­ten eine Depres­sion gehabt, und deshalb kön­nen sie dich ver­ste­hen, kön­nten dein Leid nachvol­lziehen, und ihr Wis­sen hil­ft dir deshalb am besten. Sie sind dir so nah; diese Nähe schafft kein:e Psychotherapeut:in, kein Psy­chodoc a.k.a. Psychiater:in aufzubauen.

Aus mein­er Erfahrung, meinem wis­senden Sein: Ver­giss es. Sofort. Dein Geld wird häu­fig diese Nähe sein.

Coach­ing ist sin­nvoll, wenn du dich in bes­timmten Bere­ichen deines Lebens, deines Berufes oder deines Ehre­namtes weit­er­en­twick­eln oder selb­st ver­wirk­lichen willst, doch set­zt es eine psy­chis­che Sta­bil­ität und Gesund­heit voraus. Psy­chother­a­pie und ggf. psy­chi­a­trische Begleitung sind der Weg, wenn es um deine Depres­sion geht.

Zurück zur Nähe, der See­len­ver­wandtschaft.

Klar, ich traf Men­schen, Freund:innen. Mit denen hat vieles „ohne Sprechen“ funk­tion­iert. Sie ver­standen mich, ich ver­stand sie, es gab viel Nähe. Doch blendete ich dabei auch die Schat­ten aus, ide­al­isierte sie mir in mein­er Welt. Diese schö­nen Momente, manch­mal Lei­den­schaft oder Roman­tik, sie webten ein wär­mendes Band um uns.

Es füllte mein Leben mit der Leichtigkeit, die ich zum Dur­chat­men wieder­holt benötigte.

Es war ein Gese­hen­wer­den, Angenom­men­sein, wie ich es ähn­lich in der Selb­sthil­fe unter uns Betrof­fe­nen erfuhr.

Über 20 Jahre Selb­sthil­fear­beit liegen hin­ter mir. Ich leit­ete Grup­pen und nahm an Tre­f­fen und Events teil.

Ein großes The­ma, ein „Schick­sal“ ver­band uns, gab uns ein Gemein­sam, eine Basis dafür. Selb­sthil­fe bere­icherte mich, ins­beson­dere, weil ich lernte, mit mein­er Welt, dem Leid, den Belas­tun­gen bin ich nicht allein. Andere Men­schen sind in ein­er nahen Lebenssi­t­u­a­tion wie ich „gefan­gen“ und müssen auch ihren Weg darin find­en.

Ich lernte von anderen, welche Wege ich verkürzen kann, welche Hil­fen wirk­lich helfen. Ich erlebte Vor­bilder, die schon länger das Leben mit diesem Leid meis­terten und daran gewach­sen sind. Ihr „Rezept“ zu ver­ste­hen, ver­suchte ich zu ergrün­den.

Doch trotz eines ähn­lichen Schick­sals, eines ähn­lichen Hor­i­zonts wur­den mir nur wenige Men­schen sehr nah.

So war, so ist die Real­ität.

Viele Fre­und­schaften und meine Beziehung lebten und wuch­sen, weil ich mich öffnete. Ich baute Nähe auf durch Neugi­er, Kom­pro­misse. Kurz: Beziehungsar­beit.

Ja, ich muss mich öff­nen, muss meine Welt dem anderen zeigen. Ich muss akzep­tieren, dass Nähe Wider­sprüche auf­brechen kann, andere Men­schen Gren­zen erleben wie ich und sie äußern, sie vertei­di­gen. Doch je klar­er ich meine Bedürfnisse, meine Gren­zen for­mulierte, desto sta­bil­er wurde diese Nähe.

Ich höre dich tief dur­chat­men. Du traust dich nicht, dich auf Nähe einzu­lassen, weil du schon häu­fig ent­täuscht wur­dest? Du willst auf den richti­gen Men­schen warten, der dich ad hoc ver­ste­ht, der dir sofort nahe ist? Du wartest auf deine See­len­ver­wandtschaft.

Warte nicht so lange, denn die Chance ist äußerst hoch, dass du damit weit­er allein bleib­st, isoliert. Deshalb: Schau dich zu Hause um oder unter­wegs und kon­tak­tiere Men­schen, die neugierig sind, dich und deine Welt ken­nen­zuler­nen. Sei dabei auch auf sie neugierig.

Eine Selb­sthil­fe­gruppe zur Depres­sion kön­nte ein Weg sein.

Ja, achte darauf, ob die Per­son oder die anderen dir gut­tun und du bei ihnen möglichst wert­frei angenom­men wirst, wie du bist. „Ich bin okay, du bist okay“ sind eine wichtige Basis für eine gesunde Fre­und­schaft, für eine ehrliche Part­ner­schaft.

Ja, es ist Arbeit, es ist anstren­gend mit ein­er Depres­sion, dies umzuset­zen. Doch es lohnt sich, ehrlich.

Arbeite an deinen aktuellen Fre­und- und Bekan­ntschaften, oder der Beziehung zu dein­er / deinem Partner:in oder dein­er Fam­i­lie.

Dies bedeutet, kom­mu­niziere klar deine Bedürfnisse, dein „kaputtes“ Gefühlsleben mit deinen Gedanken, deine Gren­zen, und höre den anderen zu, ohne zu werten. So baut sich Nähe auf, dass ein jed­er sich gese­hen fühlt. So baust du dir deine „See­len­ver­wandtschaft“ auf.

Ja, mit der Depres­sion ist dies schwierig, so erge­ht es mir selb­st. Es gibt Tage, Wochen, da ist der Antrieb so defekt, dass ich an mir selb­st zwei­fle. Ich komme mit mir selb­st nicht klar.

An diesen vie­len Tagen ver­ste­he ich selb­st nicht, was ger­ade passiert. Doch wenn „etwas“ die Depres­sion wie ein dun­kler Him­mel auf­bricht und Son­nen­strahlen durch­brechen, ver­suche ich wieder, Nähe zu den anderen aufzubauen. Denn wenn ich dann weit­er­hin schweige, mein Inneres mit noch mehr Beton umgieße, wächst die Dis­tanz zu den anderen und somit wächst neben dem Allein­sein die Ein­samkeit. Kein­er ver­ste­ht mich.

Wenn der Him­mel auf­bricht und du schreiben kannst, dann schreibe auf, wie es dir erge­ht, als Brief über den Mes­sen­ger an dein:e Partner:in.

Wenn du malen kannst, dann zeichne das, was dich bewegt, wäh­le die Far­ben, die dein Inneres aus­drück­en. Zeige es dein­er Fam­i­lie und gebe ihnen die Chance, davon berührt zu wer­den.

Genau­so kann es die Fotografie. Die Fotos, die Moti­vauswahl, der Bil­dauf­bau, sind dein Blick auf die Welt. In der Nach­bear­beitung kannst du es nochmals mit dein­er Stim­mung verbinden. Deine Fotos kön­nen zum Gespräch ein­laden, Nähe auf­bauen, Ver­trauen schaf­fen.

Und zur Psychotherapeut:in, der Nähe zu dein­er Psychiater:in: Ihr Job ist es, eine pro­fes­sionelle Nähe aufzubauen, keine Fre­und­schaft. Es ist eine sehr selek­tive Nähe mit kom­mu­nika­tiv­en Tools, die Fen­ster zu dein­er Seele öff­nen sollen, um deine Depres­sion, dein Leid dahin­ter begreif­bar zu machen.

Für dich begreif­bar zu machen, um weit­ere Ele­mente, Bausteine zu find­en, um besten­falls dein psy­chis­ches Leid „aufzulösen“ und schwierige, ver­drängte Emo­tio­nen und Erleb­nisse in deinem Sein sta­bil­isierend einzu­binden.

Dabei gilt: Diese ther­a­peutis­che Beziehung darf oder sollte keine Abhängigkeit schaf­fen, sollte keine weit­ere Hil­flosigkeit erzeu­gen. Die Therapeut:innen müssen selb­st best­möglich objek­tiv bleiben, um für dich das beste Set­ting, die passende Behand­lung aufzubauen.

Eine Therapeut:in muss dabei erken­nen, ob der eingeschla­gene Weg nicht eine Sack­gasse ist für die Ther­a­pieziele oder du in Ratio­nal­isierun­gen über deine Welt hän­gen geblieben bist.

Kurz: Eine Ther­a­pie ist weit, weit weg von ein­er See­len­ver­wandtschaft. Die Basis ist Ver­trauen, nicht die Sym­pa­thie oder ein „gle­ich­es“ Schick­sal, was verbinden kön­nte.

Ja, auch für eine ther­a­peutis­che Beziehung musst du dich öff­nen. Und ich war und bin immer wieder über­rascht, wie gut die Therapeut:innen, die Ärzt:innen mich in oder mit der Depres­sion ein­schätzen kon­nten, mich also im Blick haben.

Eine weit­ere wichtige Basis für eine Ther­a­pie.

– Max­So­phie written.by.human

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