Charlott 2te(a)
Heute ist einer dieser Tage, an dem alles wie eine schwere Decke auf mir lastet. Der Morgen begann wie immer – das monotone Summen des Weckers, und Fritz’ Windel war wieder ausgelaufen. Jammern? Vergiss es.
Read moreMaxSophie, Charlott — die ZitrusRot, die Emotion aus dem Dark nah Melancholie, fiktiv oder real begleitet, verfärbt die Dunkelheit, nah dem warmen Sonnenschein.
Heute ist einer dieser Tage, an dem alles wie eine schwere Decke auf mir lastet. Der Morgen begann wie immer – das monotone Summen des Weckers, und Fritz’ Windel war wieder ausgelaufen. Jammern? Vergiss es.
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Biegt Scham die Depression in sich, verkeilt sie zur Unleserlichkeit. Das Leid verklärt sich in Nebel, das Fühlen verliert sich Freudlosigkeit. Scham. Ich nehme „Regen“ v. von Schirach zu Hand.
Eine wiederkehrende Depression wirkt wie ein Puzzle. Ein, zwei oder fünf Puzzleteile fand ich zum wiederkehrenden Wohlsein, doch das Puzzle ist unvollständig. Die nächste depressive Episode zerwirft das Puzzlebild erneut, da einzelne Teile „Heilung“ fehlen.
Depression und Mann-Sein, schließt sich dies aus? Ja, wenn du es traditionell mit Alkohol behandelst und nein, nehme deine Freudlosigkeit, Gereiztheit, deine Schlafstörung und den kaputten Antrieb zum Doc. Einfach. Einfach so.
#Depression
Gestern, die Konzentration war futsch, reiste ich durch YouTubes Videos zur Depression. Viele, von Profis, von „Geheilten“ mit ihrem Rat, was zu tun sei. Ich schenke mir Stille #Depression.
Der Rettungswagen traf schneller ein, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Fritz lag dort, sein Körper gespannt und regungslos. Normalerweise ist er ein lebhafter Junge, fast zu lebhaft, sagen die Therapeuten. Doch jetzt zuckten nur seine Augenlider unkontrolliert. In meiner Verzweiflung hatte ich den Kinderarzt angerufen, aber er stammelte nur unverständlich vor sich hin. „Ich kann eh nichts machen, vielleicht ist es ein Anfall, ein epileptischer“, sagte er und erwähnte, dass seine Praxis überfüllt sei. „Wie, Sie können nichts machen?“ Doch auf meine Nachfrage erhielt ich nur Schweigen als Antwort. Entnervt legte ich auf.
Hilde hatte mich schon oft gefragt, warum ich nicht den Arzt wechsele. Ich antwortete nicht; ich schuldete ihr keine Erklärung. Aber tief in mir wusste ich, dass, wenn ich Fritz’ Arzt sah, ich das Gefühl hatte, ihn in die richtigen Hände zu legen. Er griff nicht zu hastig in Fritz’ Leben ein und fragte nie, ob wir zu wenig täten. Obwohl er nie zu Hause Lösungen suchte und bei jedem Problem eine Einweisung in die Klinik bevorzugte, spürte ich, dass er der Richtige war.
Die Wartezeit auf den Notarzt zog sich hin. Die Sanitäter jedoch waren unglaublich schnell; es schien, als hätten sie direkt vor der Tür auf den Notruf gewartet. Als sie die Wohnung betraten, wehte eine kühle, fast gespenstische Luft herein. Ich war unsicher, sollte ich die Hand reichen oder es bei einem einfachen Hallo belassen? Ich wusste nie, ob ich die Situation richtig erklärte. „Heute ist er anders, ganz anders als sonst“, erklärte ich den Sanitätern. Der Kinderarzt kommt nicht. Fritz’ Krankenschwester schien ebenfalls ratlos, Tränen standen ihr in den Augen. Ich wies sie an, im Wohnzimmer auf dem Sofa zu warten. Ich brauchte Raum um Fritz.
Die Sanitäter begannen, ihre Ausrüstung auszupacken und fragten, ob Fritz kurzzeitig ohne Beatmung auskommen könnte. Ich verneinte entschieden, seine Beatmung musste genau eingestellt bleiben. Sie schauten mich an, als hätte ich sie angeschrien. Meine Hände zitterten, während ich sanft Fritz’ erhitztes Gesicht streichelte. „Haben Sie schon Fieber gemessen?“, fragte einer der Sanitäter. Ich erstarrte. Das war die Aufgabe der Schwester. Warum sonst war sie hier? Sie rührte sich nicht, ihr Gesicht kreidebleich.
In diesem Moment fühlte ich, dass jede Sekunde zählte. „40,1“, hörte ich die Sanitäter sagen. Mein Herz sank. Während sie eine Vene suchten und eine Infusion vorbereiteten, versuchte ich, die Zeit anzuhalten, hielt Fritz fest und wünschte, er würde einfach bleiben. Der Notarzt kam herein, drängte mich beiseite und begann mit der Untersuchung. Diazepam war das Stichwort, und sie fragten nach früheren Anfällen. Ich nickte nur.
Schließlich packten der Arzt und ein Sanitäter Fritz, der andere bereitete alles für den Transport vor. Als ich im Rettungswagen saß und das Signalhorn ertönte, fühlte ich mich, als würde ich erdrückt – unfähig zu atmen, gefangen in meiner Angst und Sorge um Fritz.
Ich hätte es ja nie geglaubt. Sie hatte aber immer davon geredet. Werde bloß nicht alt, hatte sie immer gesagt, wenn man sie getroffen hatte. Werde bloß nicht alt und hatte dann vom Sterben geredet. Sie hätte sich einen guten Mix von ihren Tabletten gemacht, hieß es, runter geschluckt mit einem einfachen Fusel aus dem Supermarkt, und das war es. Aufgefallen war es schon, dass sie weg war, man dachte, sie sei in der Klinik, aber dann stand plötzlich ein junger Mann mit der Polizei vor der Tür.
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Kaum war sie das erste Mal bei uns, die Frühförderin, da stellte ich mir gleich die Frage, ob es keine Alternative gäbe. Ich mochte sie nicht. Es war nicht nur ihr Geruch, säuerlich, überdeckt von einem süßen Parfüm. Doch das Saure stach hindurch, zu einem modrigen Mix wie ein feuchter Keller, in dem eine Ladung Milch vergessen wurde. Vielleicht klingt das hart, aber kurz nachdem sie weg war, riss ich alle Fenster auf, deckte Fritz zu und lüftete eine knappe halbe Stunde.
Read moreVisite. Wenn dann die Ärzte so über Fritz hinweg schauen, da stellte sich mir oft die Frage: Was denken die? Worüber wird hier eigentlich verhandelt? Häufig war es mir gar nicht klar. Sicherlich, wenn da so ein kleiner Junge liegt, fiebernd, angeklemmt an an einer surrenden Maschine. Mir treibt es zumindest jeden Morgen erstmal die Tränen in die Augen. Nichts von Gewöhnung, denkste. Meine Mutter meinte es zumindest, es ginge, als sie mich in der Klinik abgeben musste. Ich hatte mein Bein gebrochen. Zu Hause bleiben, das war ausgeschlossen für sie, das gab es nicht. Und wie ich da im Bett gelegen haben soll, jammernd, wimmernd. Am Anfang biss sie sich auf die Lippen. Sie hatte einfach Angst vor mir in Tränen zu stehen und zu sagen: “Kind, du tust mir so leid. Ich kann dir einfach nicht helfen.” “Ja,” sagte sie, “so war es an den ersten Tagen. Nach einer Woche, da…” Wie? Es Sie musste kein Mitleid mehr aufbringen. Es ging mir besser, sicherlich, wie sonst hätten die mich nach noch einer weiteren Woche entlassen. Ich hatte weder einen Schnorchel im Mund stecken, noch fieberte ich. Ich war nur ein kleiner chirurgischer Patient, ein Kind was nicht laufen konnte, was Schmerzen hatte zum einen, aber auch alleine im Krankenhaus war. Kein Kind, wo der Tod mit am Bett sitzt und die Gespräche ansummt, wie auch die Traurigkeit.
Wie sie sich fühlen sollen, wenn ihrem Kind eine Therapie abgelehnt wird. Ich fühle gar nichts, ehrlich. Man wird Stumpf, ganz klar. Der Ärger, ab einen Punkt lohnt es nicht mehr. Man fragt auch nicht mehr, was der ganze Wahnsinn soll. Ein Typ in der Straßenbahn vor Jahren, der hatte was von Kaiser Augustus geredet, als der auf dem Totenbett lag, soll er gesagt haben: Endlich hat die Komödie ein Ende. Manchmal wenn es mit der Krankenkasse nur noch schief läuft, die Ärzte zu den Ideen nein sagen oder ein Sachberarbeiter mir was erzählen von geht nicht, sie haben keinen Anspruch und das Gesetz, dann stößt dieser Satz nur in mir auf. Die Komödie, ich fragte nie nach, was dies Wort in der Tiefe bedeutet. Ich sah nur manchmal Hilde vor meinen Augen und dann meine Mutter. Alles nur ein Witz. Ich will abhauen. Ob ich Fritz mitnehmen würde? Sicherlich, aber ich weiß es nicht, auch nicht wieso. Die Hilde würde meine Flucht nicht verstehen, sie würde flennen, sie würde ein Taschentuch brauchen, eins, nein, ein ganzes Laken und ich würde daneben sitzen wie ein bürgerliches Mädchen aus dem 18 Jahrhundert, die sich in einem Herrn in den falschen Stand verliebt hat, ihn getroffen hat und nun wartet, wann er ihr den Heiratsantrag macht. Dabei weiß sie ganz genau, er wird es nicht tun. Er wird es. Eine weinende Freundin am Rockzipfel. Das ist die Hilde nicht, nee, da ist meine Mutter schon näher dran. Sie ist zwar nicht meine Freundin, aber wenn sie es wäre.