Mann in einem dunklen Raum
Mann in einem dunklen Raum

Depression — wenn die Lebensbedrohung sich bindet

Ich hab´s nicht ver­standen, ich umreiße es nicht. In ein­er Psy­chother­a­pie darf oder sollte ich ler­nen, die Mech­a­nis­men zu erken­nen, meine Gedanken, die Ereignisse, die mich lebens­fro­her, leichter wer­den lassen.

In ein­er Ther­a­pie sollte ich erken­nen, was den Nebel, die Dunkel­heit um mich herum ver­stärkt. Der Nebel zieht auf, ger­ade im Moment, meine Beine wer­den schw­er.
Jet­zt kön­nte ich mir Ursachen erdenken. War es die Frau im Amt, die mich nicht ver­stand, ein Brief, der mich irri­tierte, verun­sicherte.

Ich kön­nte es mir erdenken.

Doch wenn die Lebens­bedro­hung sich dazu gesellt. Gedanken, die für meine Gefüh­le, meine Emo­tion ein Ende fordern.

Ich darf, ich darf diesem Gedanken nicht ver­trauen.

Die, meine Depres­sion, da sind die Gedanken­spi­ralen nicht ratio­nal. Das Einzige, was zählt, was ich aus dem Zen lernte: Ich bin nicht meine Gedanken. Schluss. Punkt. Aus.

Das Rad, das der eine oder andere ken­nt, Gedanken, erzeu­gen Gefüh­le, Gefüh­le bilden Gedanken, hat eine Acht, das Kugel­lager knirscht. Manche ken­nen es als pos­i­tives Denken. Denke pos­i­tiv (was auch immer das sein soll) und dein Leben verän­dert sich zum Guten. Eine Null­num­mer, ein Grund, warum Coach­ing in der Depres­sion keine gute Idee ist.

Pos­i­tives Denken, das schaffst du nicht in der Depres­sion. Es gibt mir nur den Ein­druck, ich bin am Ende schuld an meinem Leid. Es blendet aus, dass unsere Exis­tenz, unser Sys­tem einen hohen Anteil an nicht­sprach­lichem hat. Gedanken schaf­fen Illu­sion, fördern Illu­sion und ver­stärken Beste­hen­des.

Ja, Gedanken kön­nen mich motivieren, doch erst dann, wenn die Chemie im Kopf mir dies erlaubt. Bin ich im Nebel, in der Dunkel­heit, im Tun­nel, fördern sie Schuld, wenn die motivieren­den Affir­ma­tio­nen nicht funk­tion­ieren.

Es liegt an mir. Ich bin schuld, dass ich weit­er und tiefer in dieser Dunkel­heit ver­haftet bin.

Im Zen gibt es das Wu Wei – han­del­ndes Nicht-Han­deln. Es beruhigt mich. Ich beobachte meine Gedanken. Mein Gehirn ist ein Spatz, der den lieben lan­gen Tag vor sich hin zwitschert. Ein­fach so, ein­fach ohne es zu bew­erten.

Unser Gehirn zwitschert auch den ganzen Tag. Ein­fach so. Ich bin nicht meine Gedanken und bew­erte sie nicht. Ein­fach so.

Die Lebens­bedro­hung, die Idee des Suizids, ist ein­fach nur ein Gedanke, eine Wolke, die vor­beizieht.

Gelingt nicht, gelingt. Ich bew­erte es nicht.

Gelingt nicht, weil ich mich mit mein­er Depres­sion iden­ti­fiziere. Ich trage sie vor bei Ärzt:innen, um die eine passende Ther­a­pie zu bekom­men.

Dann sitze ich beim See­len­doc und wir wer­fen das Konzept Depres­sion weg. Es ist ein Spatz, der nur zwitschert. Ich bin nicht die Depres­sion, sie ist nur eine Beschrei­bung von außen, für andere, um mich in ihre Schublade zu steck­en.

Gelingt nicht, denn alles, was ich lese, was ich nicht empfinde, es ist die Depres­sion. Hoff­nungslosigkeit, keine Zuver­sicht. Schwere Trau­rigkeit in mir.

Kill doch ein­fach diese Gedanken, diese schw­eren, erdrück­enden Gefüh­le. Gelingt nicht. Ich packe es in vor­bei­fliegende Wolken, lasse sie weit­er­fliegen, bew­erte sie nicht, kämpfe nicht gegen sie. Ich bin nicht meine Gedanken, mein Ich ist nichts Festes, son­dern nur der Augen­blick in dem Moment. Damit lasse ich die Depres­sion zu einem Prozess wer­den, sie ist nicht ich, kein Wesen­szug.

Wolken, ja Wolken, wie meine Stim­mung, die die Düster­n­is erst weg­tra­gen, kön­nen zurück­kom­men, auf mich zustür­men, geballt.

Sie kön­nen nach Monat­en, Jahren wiederkom­men. Aktuell sind es einzelne Tage, wenige Wochen. Sie beschw­eren mich im Moment und beschw­erten mich zur Unbe­weglichkeit, zur Langsamkeit im Denken, zur Lebens­bedro­hung meines Seins.

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