Mann wandert durch Walt

Depression – ein Konflikt mit Hochfunktional, lebensbedrohlich

Jet­zt wird wieder die näch­ste Kuh durch das Dorf Social Media getrieben. Hochfunk­tionale Depres­sion.

Deine Tage sind durch den Job, die Uni, die Last durch die Fam­i­lie, und die Sorgear­beit voll. Du stehst durchge­hend unter Strom, es bringt dich an die Gren­zen deines Sys­tems. Um zu funk­tion­ieren, ent­fremdest du dich von dir, um den All­t­ag weit­er zu bewälti­gen. Dein Kör­p­er reagiert mit Bluthochdruck und unspez­i­fis­chen Schmerzen und deine Atmung ist nur noch flach.

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Charlott – Dienstag, der 18. März

Char­lott – Dien­stag, der 18. März

Die Erschöp­fung liegt wie Blei in meinen Knochen. Ich wache auf und denke zuerst an die Maschi­nen, an das Pfeifen, das Absaugen in der Nacht – oder an das, was ich mir ein­bilde, wenn ich hier im weißen Zim­mer liege. In der Reha nen­nen sie es Sta­bil­isierung, Abstand gewin­nen und wieder Sta­bil­isierung. Für mich ist es nur Leere. Leere. Ein Vaku­um, das mich erstick­en will.

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Mann geht durch neblige Landschaft.

Depression – Erwartungen brechen im dunklen Wald

Ich bin der Depres­sion ver­haftet, an manchen Tagen umhüllt sie mich und an anderen ist sie ein fliegen­der Drache, fernab, der an mir, an einem Brust­geschirr, Brust­gurt hängt. Unlös­bar.

Was war deine Frage heute? Du hat­test gek­lin­gelt. Ich öffne die Tür zwis­chen uns.

Die Depres­sion, ja, diese erlebe ich als eine Geschichte der Erwartun­gen, zumin­d­est meine.

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Mann steht am Fenster bei Sonnenuntergang.

Depression zerstört deine Erschöpfung

Wir müssen wegkom­men von dieser Idee, die Depres­sion sei eine Geschichte der Erschöp­fung, das Ner­ven­sys­tem liege brach nach ein­er Über­las­tung, du hättest dir zu viel zuge­mutet. 

Ver­giss dies schnell, ins­beson­dere wenn deine Depres­sion mit­tel­gr­a­dig oder schw­er ist. Denke daran: Depres­sion ist eine Diag­nose, häu­fig auch eine Zweit­di­ag­nose als „Zusatz“ ein­er Haupt­di­ag­nose, denn sie ist ein Sam­mel­beck­en von mehreren Symp­tomen. Mehr nicht. Zählt ein Doc diese zusam­men, dann fol­gt als Summe: Depres­sion, leicht, mit­tel­gr­a­dig oder schw­er. Oder eben nichts.

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Mann in einer Stadt mit wärmender Sonne

Depression schützt leise vor der Wucht

Wenn die Depres­sion, wie heute, mich trägt, mich wieder ein­klei­det in einen Man­tel, einen Wahn. Ich weiß, Anti­de­pres­si­va arbeit­en auch gut gegen Zwangsstörun­gen. Warum? Eine, mein Ver­ste­hen, Laienidee: Die Gedanken­welt, die Gefühlswelt steckt nicht „ein­fach“ fest, wühlt sich nicht „ein­fach“ tiefer mit „neuen“ Gedanken, Emo­tio­nen, oder arbeit­et sich in das „Gut“. Son­dern sie wieder­holt end­los die Trau­rigkeit, eine Schwere im Bauch, die meine Gefüh­le zusam­men­drückt zu Blei, dessen Schwere sich in den Gliedern ver­ankert. 

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Frau in schwarzer Jacke und Pullover.

Charlott – Montag, der 17. März

Die Müdigkeit hängt an mir wie nass­es Leinen­zeug. Die Knochen sind schw­er, das Hirn ein Wat­tek­lumpen, und trotz­dem dreht mein Kopf, als wär er ein klein­er Radiomo­tor, der immer nur das­selbe Lied spielt. Ich liege im Bett dieser Klinik, dem Eiland, und höre den Flur atmen; jede Tür, die aufge­ht, ist eine Erin­nerung daran, dass ich nicht dort bin, wo ich hinge­höre. Fritz liegt an einem anderen Ort – in frem­den Hän­den, unter Schläuchen, mit der Kanüle, die seinen Brustko­rb zum Atmen zwingt. Dieses Bild lässt mich nicht schlafen.

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Mann liest Buch bei Sonnenuntergang.

Depression – Eine Achtsamkeit ertrinkt im Morast

Ich kenne die Sto­rys, die Geschicht­en. Ich las sie, schaute sie im TV, auf YouTube, auf Insta­gram. Mit Acht­samkeit käme ich aus der Depres­sion. 

Acht­samkeit sei der, ein Weg gegen die Depres­sion, der Weg der Heilung von der Depres­sion. 

Ver­giss es, ganz klar, ver­giss es, es sei denn, du bist mit deiner:m Therapeut:in dran, dich dem The­ma zu näh­ern. 

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Nachdenklicher Mann in warmem Licht.

Die Depression und wie ich falle in die Tiefe?

Die Depres­sion ist eine eigene Sto­ry, die nur mir gehört. Klar, du kannst dir gerne „was abschauen“, vielle­icht um dieses Phänomen bess­er zu ver­ste­hen, zu umreißen, sie auf eine Land­karte zu zeich­nen.

Sie, die Depres­sion, ist kein star­res Kon­strukt, dies musst du wis­sen. Sie ist lebendig auf ihre Art, ihrer Dunkel­heit. Sie beschw­ert die Erschöp­fung mit Blei, dass du nicht mehr hochkommst. Sie lebt, wenn du nicht wagst, es nicht schaffst, aufzuste­hen. Du kannst nicht auf­ste­hen, denn das Blei drückt sich auf dir, vielle­icht mit Trä­nen, vielle­icht mit Gereiztheit.

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Frau sitzt nachdenklich am Fenster. @KI

Charlott — Sonntag, der 16. März

Erschöp­fung. Schuld. Sehn­sucht.

Das sind wohl die drei, die heute am lautesten schreien. Wenn ich ihnen Gesichter geben müsste:
Erschöp­fung sitzt auf mein­er Brust, fett und schw­er, riecht nach kaltem Klinikessen und abge­s­tanden­em Rauch. Schuld ste­ht in der Ecke, lehnt läs­sig an der Wand und grinst, weil sie weiß, dass sie immer gewin­nt. Sehn­sucht sitzt am Fen­ster­brett, guckt raus in die Dunkel­heit und wartet auf ein Geräusch, das nicht kommt – Fritz’ Atmen, dieses ras­sel­nde, wack­lige.

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